Verschiedenheit der Heimatgefühle

Neue Ausstellung des Kunstvereins Rheinstetten zeigt große Breite des Schaffens

Heimatgefühle - Kunstverein Rheinstetten Januar 2018
Annäherungen an den Begriff „Heimatgefühl“ zeigt die neue Ausstellung des Kunstvereins Rheinstetten, die am Freitagabend eröffnet wurde und bis 28. Januar zu sehen ist. (Foto: BNN, hos)

„Heimat ist für jeden etwas anderes“, sagt die Vorsitzende des Kunstvereins Rheinstetten, Marion Konz-Zappe, „es ist ein sehr alter Begriff, den wir neu interpretieren wollen.“ Vielfältige künstlerische Annäherungen an diesen Begriff präsentieren Mitglieder des Vereins jetzt unter der Überschrift „Heimatgefühl“ in dessen Galerie in Forchheim. Bilder, Skulpturen und Installationen schufen sie für die Ausstellung oder wählten sie aus ihren Arbeiten im Hinblick auf das Thema aus. Heimatgefühle kann eine Landschaft auslösen, eine Stadt, das Zuhause. „Heimat kann auch sehr intim sein“, so Konz-Zappe bei der Ausstellungseröffnung. Sie verwendet in einer Installation eine gerahmte Stickerei aus Familienbesitz aus dem 19. Jahrhundert, die an einem „stillen Örtchen“ hängt. Dem Wort Heimat nimmt die Künstlerin so das Pathetische. Eine andere Arbeit von ihr ist vom Fermasee inspiriert. Auch ein Grießbauch ist zu sehen, die Miniaturfigur des Symbols der Forchheimer schuf Karl-Heinz Kiefer aus Lindenholz.

Den Körper als Heimat zeigt Giorgio Silvano in einem mit Acrylspray erstellten Bild. Christa Baiers Bilder zeigen abstrakte Impressionen der Namib-Wüste in Acryl, Ursula Zotzel-Laber hält in ihren Aquarellen farbenfrohe Stadtansichten fest. Auf den Landschaftsbildern in Öl und Acryl von Uschi Lumpp sind Naturmotive aus dem österreichischen Semmering zu sehen, wo sie viel Zeit verbrachte. Ebenso von Reisen inspiriert sind Jana Kuhls wie schwebend wirkende „kroatische Segel“ in Acryl. Erika Jehle stellt ein großformatiges Acrylgemälde eines Hahns aus, das im Kontrast zu einem kleineren Waldmotiv steht.

Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten

Ausstellung des Kunstverein Rheinstetten - Heimatgefühl

Für Erika Jehle ist Malen Therapie

Vernissage beim Kunstraum Rheinstetten: „Menschen“ lautet die neue Ausstellung

GESPRÄCH ÜBER EINES IHRER WERKE: Künstlerin Erika Jehle (links) unterhält sich mit einer Vernissage- Besucherin. Foto: Andreas Kleber
GESPRÄCH ÜBER EINES IHRER WERKE: Künstlerin Erika Jehle (links) unterhält sich mit einer Vernissage- Besucherin. Foto: Andreas Kleber

„Menschen“ lautet der Titel der Ausstellung von Erika Jehle, die am Freitag im Kunstraum Rheinstetten in Forchheim eröffnet wurde. Zu besichtigen gibt es 21 Werke, die entweder unmittelbar oder im weitesten Sinne mit Menschen zu tun haben. So finden sich auf den Acryl-, Aquarell- und Ölgemälden, denen die Künstlerin Namen wie „Die trauernde Braut“, „Im Dunkeln“, „Traurig“ oder „Verlassen“ verpasst hat, auch Wesen wie beispielsweise Engel oder Hexen wieder.

Zur Malerei kam die gebürtige Forchheimerin während eines Reha-Aufenthalts im Jahr 2004. „Damals habe ich festgestellt, dass Malen für mich eine Therapieform ist, bei der ich vom Alltag total abschalten kann“, erklärte die 67-jährige Wahl-Mörscherin, die zu ihrer Vernissage rund 100 Besucher begrüßen durfte. Denen verriet die ehemalige Kostümschneiderin am Badischen Staatstheater, dass der Umgang mit Pinsel und Farbe zu einem festen Bestandteil in ihrem Leben geworden sei: „Mit der Auseinandersetzung mit Farben bestärke ich meinen kreativen Weg. Und wenn meine Bilder beim Betrachter Freude erwecken, dann habe ich mein Ziel erreicht!“ „Die Suche nach Symmetrie, Gleichgewicht und Ausgewogenheit ist es, was Erika Jehle antreibt. Manche gehen zum Yoga, sie geht mit der Malerei in die innere Versenkung. Und so kommt in ihrer Ausstellung etwas ganz Charakteristisches von ihr zum Ausdruck: Malen als tägliche spirituelle Übung auf dem Weg zu einer inneren Ruhe und Vollkommenheit“, sagte Laudator Gerald Peregovits. Auch wenn auf einigen von Jehles Bildern vordergründig Traurigkeit vermittelt werde, so gebe es bei genauem Hinschauen doch auch Entschleunigung, Melancholie und Ruhe zu entdecken. Auf die Frage, warum sie ihre Ausstellung „Menschen“ genannt hat, zitierte die Künstlerin den Philosophen Wilhelm Freiherr von Humboldt: „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben!“ Andreas Kleber

Info: Öffnungszeiten Galeriezeiten der Ausstellung von Erika Jehle im Kunstraum in der Hauptstraße 30 in Forchheim sind bis einschließlich Sonntag, 26. November, immer donnerstags von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Alle ausgestellten Werke sind käuflich zu erwerben.

Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Kleber erschienen in der BNN

Sieben auf einen Streich

Nikolaus Zirwes im Kunstverein Rheinstetten

Energy von Nikolaus Zirwes
Vater Nikolaus und Tochter Lena Zirwes vor ihrem gemeinsamen Werk „Energy“ beim Kunstverein Rheinstetten. (Bild Andreas Kleber)

Im Kunstraum Rheinstetten in Forchheim wurde jetzt die Ausstellung „Stückwerk(e)“ von Nikolaus Zirwes eröffnet, die sowohl bei Laien als auch bei ausgewiesenen Kunstexperten für positive Aha-Erlebnisse sorgen dürfte. Zwar sind es nur sieben Werke, die der in der Eifel geborene Künstler zeigt, doch diese sprühen nur so vor Genialität und Kreativität. „Das Highlight haben wir uns für das Jahresfinale aufgehoben“, brachte es die Vorsitzende des Kunstvereins Rheinstetten, Marion Konz-Zappe, bei der Vernissage auf den Punkt.

Zirwes, der in Ötigheim wohnt und seit rund drei Jahren Mitglied des Kunstvereins ist, bezeichnet seine Werke bescheiden als „Objektkunst“. Vielmehr aber sind seine Arbeiten Meisterwerke eines Hobbykünstlers, in die der 50-jährige Informatiker viel Zeit und noch mehr Akribie und Leidenschaft investiert. Begrüßt werden die Besucher der Ausstellung von dem Bild „Energy“, das sich aus 2370 Überraschungseierfiguren zusammensetzt und bei dessen Anfertigung Zirwes von seiner 21-jährigen Tochter Lena tatkräftig unterstützt wurde. Ein echter Hingucker ist auch das auf den Namen „Verpixelt“ getaufte Werk. Hier bilden rund 36 000 farbige Holzstäbchen das Portrait von Hugh Laurie alias „Dr. House“ aus der gleichnamigen US-Fernsehserie. Zu sehen gibt es darüber hinaus ein Selbstbildnis von Nikolaus Zirwes, für dessen Erstellung unglaubliche 11 000 Nägel eingeschlagen werden mussten. Wie der talentierte Tüftler den Besuchern seiner Vernissage verriet, hat er sein Talent erst mit Anfang 30 entdeckt, als er seiner Tochter Asterix-Figuren gemalt hat. Beim Anfertigen seiner Objekte komme ihm nicht nur sein Beruf, sondern auch sein „unbändiger Wille, etwas Einzigartiges zu schaffen“ zugute. Die Ausstellung „Stückwerk(e)“ von Nikolaus Zirwes im Kunstraum in der Hauptstraße 30 in Forchheim, ist bis einschließlich Sonntag, 31. Dezember, jeweils donnerstags in der Zeit von 18 bis 20 Uhr sowie sonntags von 14 bis 18 zu besichtigen. Sämtliche Werke sind zu kaufen.

Internet www.nikolaus-zirwes.de

Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Kleber erschienen in der BNN

"Werk strahlt Schönheit und Ruhe aus"

Siegfried Trinkle stellt im Kunstraum Rheinstetten aus / Eckhard Brock hält Laudatio

Siegfried Trinkle betrachtet zusammen mit Laudator Eckhard Brock (rechts) das Werk „Oktoerrektus“. Foto: Andreas Kleber
Siegfried Trinkle betrachtet zusammen mit Laudator Eckhard Brock (rechts) das Werk „Oktoerrektus“. Foto: Andreas Kleber

Es sind Kunstwerke von Schönheit und Faszination, aber auch Wildheit und Abstraktheit gepaart mit einem Hauch Erotik, die seit Freitag im Kunstraum Rheinstetten in Forchheim zu sehen sind. Geschaffen wurden die rund 20 hölzernen Exponate von dem in Öhringen geborenen Siegfried Trinkle, der seit 1973 in Mörsch lebt und zu den Gründungsmitgliedern des Kunstvereins Rheinstetten zählt.

Seinen Werken hat der 66-Jährige Namen wie beispielsweise „Buchenwirbel“, „Der Schreier“ oder „Die Gruppe Seltsamer“ verpasst. Über seinen bizarr anmutenden „Oktoerrektus“ der beim ersten Betrachten den Anschein erweckt, als sei er eine Mischung aus einem stilisiertem Alien aus dem gleichnamigen Hollywood-Blockbuster und einem futuristischen Spazierstock, erklärt der gelernte Maschinenbauschlosser: „Ich habe ihn erschaffen, wie es mir in den Sinn gekommen ist. Er besitzt Narben, die beim Bearbeiten eines achtlos zum Entsorgen weggeworfenen Stück Holzes entstanden sind.“

Wann genau er mit dem Schnitzen begonnen hat, weiß der künstlerische Autodidakt nicht mehr ganz genau: „Ich muss so fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein!“ Sein erstes Werkzeug war ein Taschenmesser, wie es fast jeder Bub in der damaligen Zeit besaß. Bevorzugtes Arbeitsmaterial von Trinkle ist Nussbaum. Es sei aufgrund seiner Härte zwar relativ schwer zu bearbeiten, jedoch werde dies durch eine wunderschöne Maserung wieder wettgemacht. „Zudem fasert es nicht so arg“, erklärt der sympathische Künstler, der in seinen Werken hin und wieder auch Metalle wie Aluminium, Kupfer oder Eisen verarbeitet.

Die Laudatio anlässlich der gut besuchten Vernissage hielt Eckhard Brock, freischaffender Künstler aus dem Kraichtal und sehr guter Freund von Trinkle. Brock bezeichnete die Schaffenskraft des Wahl-Mörschers „als große Kraftanstrengung“. Kunst habe seinen Preis und Trinkle bezahle diesen in Form eines großen Zeitaufwandes. „Mitunter sitze ich bis zu 50 Stunden an einem Stück“, verriet Trinkle den Anwesenden. Enorm sei so Brock auch der Kraftstrom, den Trinkle in seine Werke hineingibt. Trotz der Dynamik und der übersprühenden, geballten Kraft, strahle sein Schaffen Schönheit und Ruhe aus. „Viel Interessantes liegt auch im Detail. Die Liebe zur Farbe macht den Kraftstrom erträglich.

Die Kunst strahlt Schönheit und Ästhetik aus, auf die man sich unbedingt einlassen sollte“, sagte Brock, der seinem Freund mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte „eine massive Entwicklung in der Technik und einen Sprung in seine eigene Welt“ attestierte. Musikalisch gestaltet wurde die Vernissage sowohl von Brock als auch von den „Spätlesen“ bestehend aus Lilo Hillens und Peter Heil. Andreas Kleber

Die Ausstellung „Jahrzehnte Werken mit Holz“ von Siegfried Trinkle im Kunstraum in der Hauptstraße 30 in Forchheim ist bis einschließlich Sonntag, 29. Oktober, donnerstags von 18 bis20 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Einige der präsentierten Werke können gekauft werden.

Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Kleber erschienen in der BNN